EUA-Preise: Wie nachhaltig ist der Anstieg?
In den letzten Wochen hat der EUA-Preis bei den Primärauktionen rasante Turbulenzen durchlaufen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe, einige davon eher kurzfristig, andere nachhaltig:
- Das von den EU-Umweltministern beschlossene Reduktionsziel bis 2040 fiel deutlich weniger verwässert aus, als vom Markt erwartet worden war. Die Konsequenz war ein kurzfristiger Aufwärtsdruck.
- Kälteres Wetter und längere Dunkelflauten haben die fossile Energieerzeugung angeheizt und damit die Nachfrage nach Zertifikaten kurzfristig erhöht.
- Finanzinvestoren halten aktuell ungewöhnlich hohe Longpositionen, welche Trends nach oben verstärken – diese können aber ebenso schnell wieder drehen.
- Viele größere Industrieunternehmen haben die Verknappung der Zertifikate ab 2026 erst jetzt in ihrer Finanz- und Beschaffungsplanung berücksichtigt, wodurch zuletzt regelgetriggerte Käufe stattgefunden haben, die das Marktgeschehen verzerrt haben. Der Leak der Zuteilungsbenchmarks könnte das dann noch verstärkt haben.
- Im EUA-Markt sehen wir im Dezember regelmäßig eine Art „Jahresendstimmung“, die sich in einer überproportionalen Marktstärke zeigt. Erfahrungsgemäß lässt dieser Effekt im Januar/Februar wieder nach.
- Die Marktechnik zeigt einen Ausbruch aus der fast dreijährigen Handelsrange 60-80 EUR, der aber in der Vergangenheit seit 2022 nicht zu weiteren, deutlichen Anstiegen führte. Um einen Fehlausbruch zu entkräften, muss sich das Niveau länger über 80 EUR halten.
- Die Verknappung der Zertifikate ab 2026 lässt Analysten weiterhin mit nachhaltig steigenden Preisen rechnen.
Das kurzfristige Bild wirkt demnach überhitzt. Ein Teil der aktuellen Preistreiber ist saisonal, spekulativ oder prozessbedingt – und damit kaum nachhaltig. Entsprechend steigen die Chancen auf eine baldige Kurskorrektur. Allerdings kann die aktuelle Marktlage ohne externe Verkaufstrigger noch weitertreiben, wobei die Aufwärtsdynamik in den letzten Handelstagen eher abnehmen dürfte.
Über allem steht eine politische Unsicherheit, die der Markt bisher nur unzureichend reflektiert: Die deutsche Industrie fordert inzwischen offen eine Überarbeitung der Zuteilungsregeln für die nächste Handelsperiode und die Bundesregierung hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ob und wann es zu einer Entscheidung kommt, ist völlig offen – aber allein die Möglichkeit einer Anpassung erzeugt eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der Preisentwicklung. Sollte jedoch nichts geschehen, sind weitere Preisanstiege durch die deutliche Verknappung der Zertifikate wahrscheinlich.
10.12.2025
Ihr Emissionshändler.com Team
